Im April 2008 reisten
Studenten der Universität Hamburg nach Genf, um die zweite Sitzung der
Vorbereitungskonferenz für die 2010er Überprüfungskonferenz des
Nichtverbreitungs-vertrages besuchen zu können.
1995 entschieden die
Mitglieder des Nichtverbreitungsvertrages (NVV), die Gültigkeit dieses
Vertrages auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Seitdem findet alle fünf Jahre
eine Überprüfungskonferenz statt, auf welcher der aktuelle Stand des NVV
überprüft wird. Zur Vorbereitung auf diese Konferenzen finden im Vorfeld
jeweils drei Vorbereitungskonferenzen statt, von welchen die Studenten an einer
teilnahmen.
Knapp 20 Seminarteilnehmer begleiteten
das ZNF-Team zum Palais des Nations, einem der insgesamt vier Hauptsitze der Vereinten
Nationen, in Genf. Sie waren akkreditiert als Mitglieder der
Nichtregierungsorganisation INESAP (International Network of Engineers and Scientists
against Proliferation).
Die Studenten nahmen an der
eigentlichen Konferenz als Beobachter teil und konnten dadurch einen Einblick
in die Funktionsweise von UN-Konferenzen erhalten. Sie konnten die allgemeine
Debatte beobachten, wo die Ländervertretungen ihre Meinung zum NVV
präsentierten, aber waren auch bei den so genannten Cluster issues anwesend,
wo konkrete Tagesordnungspunkte wie zum Beispiel die Sicherheitslage im Nahen
Osten diskutiert wurden.
Als Kernbestandteil des
Seminars führten die Studenten in kleinen Gruppen Gespräche mit einzelnen
Diplomaten. Zu diesem Zweckhatten sie bereits im Vorfelde die Positionen der
Länder genau studiert und Fragen formuliert; sie waren also gut auf die
Gespräche vorbereitet. Freundlicherweise erklärten sich Vertreter Chinas,
Deutschlands, Frankreichs, Irans, Japans, des Vereinigten Königreiches und der
Vereinigten Staaten bereit, sich mit den Studenten zu treffen. Die Gespräche
hatten allesamt recht individuellen Charakter. Während einige Diplomaten
lediglich die bekannten offiziellen Positionen darlegten, gingen andere selbst
auf Detailfragen ein und gingen über die bekannten Statements hinaus bzw.
teilten teilweise auch ihre persönlichen Einschätzungen mit. Für die Studenten war dieses
Seminar eine einzigartige Gelegenheit, mit der realen Politik in Kontakt zu
kommen und Diskussionen mit ranghohen staatlichen Vertretern zu führen.
Erstaunlich war die Offenheit vieler Diplomaten, mit der sie die
Seminarteilnehmer empfingen. So fanden die Studenten durchaus Gehör bei einigen
Botschaftern und konnten demonstrieren, dass sich die junge Generation
ernsthafte Gedanken über die Verbreitung von Kernwaffen macht. Die Teilnehmer
selbst äußerten, dass sie durch die Teilnahme ihre Kenntnisse und Perspektiven bedeutend
erweitern konnten. Es bleibt zu hoffen, dass die Gespräche nicht nur lange in
den Köpfen der Studenten bleiben, sondern ebenfalls die Diplomaten zum
Nachdenken angeregt haben.